Karussell Sehlmeyer 
       
     
 
 
 
   
 

         Mein Vater und Ernst August Sehlmeyer mit Freunden 1947 - Rechts meine Enkelkinder 2007 (60 Jahre später)            

   

 

Warum habe ich diese Internetseite über Karussell Sehlmeyer angefertigt, werden sich viele Fragen?

Man kann es schnell erklären, oder etwas ausführlicher - wie ich. Es war wie oft im Leben mehr oder weniger ein Zufall. Meine Schwester war aus Hamburg zu Besuch und wir schauten uns gemeinsam bei unseren Eltern alte Fotos an. Zuerst hatten wir ein Foto von 1957 in den Händen. Es zeigte meine Schwester und mich 1957 auf dem Karussell von Sehlmeyer in Groden. Sie war damals 7 Jahre alt und ich 5 Jahre. Dann ein Bild von unserem Vater, mit Freunden und Ernst August Sehlmeyer. Ebenfalls auf dem Karussell. Wir konnten das Jahr nur annähernd erraten. Es muss so um 1947 gewesen sein. Mein Vater wusste es auch nicht mehr ganz genau, meinte aber, es wäre aus der Zeit seiner Lehre. „Und ich habe alte Fotos von unseren Kindern und jetzt neue Fotos von unseren Enkelkindern auf dem Karussell“, bemerkte ich beiläufig. „Dann sind wir ja schon mit vier Generationen bei Sehlmeyer Karussell gefahren“, stellte ich total überrascht fest. Da wir heute das Jahr 2007 schreiben und das erste Bild von ca. 1947 stammt, beträgt die Zeitspanne rund 60 Jahre , in der die einzelnen Generationen der Familie Braas auf dem Sehlmeyer-Karussell ihre Runden drehten.

 
 
Meine Schwester Hannelore und ich 1957 in Cuxhaven-Groden

Angefangen hat die Freundschaft zwischen den beiden Familien mit Ernst August Sehlmeyer und Heinrich Braas in der Grundschule in Cuxhaven-Groden. Gemeinsam aufgewachsen in den Tagen des 2.Weltkrieges – beide Baujahr 1931 – wurden sie 1937 eingeschult und besuchten gemeinsam während des Krieges die einzelnen Klassen. In der Alten Marsch waren die Häuser der Eltern ca. 100 Meter voneinander entfernt und so blieb es natürlich nicht aus, dass sich mein Vater – Heinrich Braas – oft bei Ernst August Sehlmeyer aufhielt. Als Sohn eines Schaustellers war bei Ernst August Sehlmeyer und seiner Familie natürlich immer sehr viel Trubel. Außerdem wuchs mein Vater, als ältester von 6 Geschwistern, ohne seinen Vater auf, der sich zuerst im Krieg und dann in Gefangenschaft befand. Dadurch war der Vater von Ernst August für meinen Vater eine Art Ersatzvater. Obendrein hatten beide am selben Tag (22.Februar) Geburtstag. In späteren Jahren tauschten sie am Geburtstag immer kleine Geschenke aus. Der alte Herr Sehlmeyer bekam von Heinrich Braas am Geburtstag eine Zigarre und mein Vater im Gegenzug eine Zigarette. So war es dann auch nicht verwunderlich, dass Ernst August und mein Vater gemeinsam eine Lehre auf der Beckmann-Werft absolvierten. An den Wochenenden war Ernst August als Schaustellersohn auf diversen Schützenfesten oder Märkten präsent und mein Vater – als guter Freund von Ernst August – half mit, so oft er nur konnte. In der Schießbude genauso wie beim Karussell. Hilfe war damals eine Selbstverständlichkeit und unter Freunden besonders. Selbst als die ersten Mädels auf der Bildfläche erschienen und das Interesse von Ernst August und Heinrich hierfür stetig stieg, tat dieses der Freundschaft keinen Abbruch.

 

 Vor der Haustür (Sehlmeyer-Haus in den 50er Jahren)

1952 wurde ich – Harri Braas – geboren. Meine Eltern und meine 1 ½ Jahre ältere Schwester Hannelore wohnten immer noch im Elternhaus meines Vaters, zusammen mit seinen vielen Geschwistern. Mein Vater suchte krampfhaft eine erste eigene Wohnung. Sein Freund Ernst August Sehlmeyer bot dann der jungen Familie an, in sein Elternhaus – Alte Marsch 9 – als Mieter einzuziehen. So zogen wir 1953 in das alte Sehlmeyer-Haus ein. Als eine von drei Familien. Jede Familie hatte einen Schlaf-Wohnraum und eine Kochnische. Das war alles. Ein Wasserhahn befand sich draußen am Haus für alle Mieter – im Winter immer eingefroren – kein Badezimmer, dafür ein Toilettenhäuschen am Grundstücksende und in den ersten Tagen gab es in der Wohnung nicht einmal einen Holzfußboden. Meine Mutter harkte das Wohnzimmer und nach Tagen zimmerte mein Vater einen richtigen Holzfußboden. Ein alter Kochherd sorgte im Winter für die nötige Wärme und jeden Morgen bewunderten wir Kinder die Eisblumen an den Fensterscheiben. Ich schlief in einer Art "Kartoffelkiste" - war mein damaliger Ausdruck für das Bettähnliche Nachtlager - und wenn wir von draußen durchgefroren in die gute Stube kamen, steckten wir unsere kalten Füße in den Backofen des Herdes. Samstags war immer Badetag. Muttern`s holte eine große Zinkwanne in die gute Stube, heißes Wasser wurde zubereitet und dann wurde der Reihe nach gebadet. Ich hatte den Vorteil der jüngste und kleinste Bewohner unserer Sippe zu sein - meine zwei jüngeren Brüder wurden erst später geboren - und durfte immer zuerst in die Wanne.

 

 Das Sehlmeyer-Grundstück in den 50er Jahren

Für uns Kinder waren diese 50er Jahre jedoch ein Traum. Wir wuchsen einfach phantastisch auf. Im Sommer bot das riesige Grundstück der Sehlmeyer-Familie wunderbare Spielmöglichkeiten. Gleich nebenan war der für uns noch größere Schützenplatz und gegenüber der Hof von Bauer Bulle. Und dann noch die unberührte Natur der Alten Marsch. Der Hammer war aber immer die Winterzeit. Wenn die Schützenfest- und Marktsaison  vorbei war, kamen die Schausteller mit all ihren Fahrzeugen. Rund um das Sehlmeyer-Haus wurde eine Art Wagenburg geschaffen. Das gesamte Grundstück wurde vollgestellt mit Wohnwagen, Gerätewagen und Zugmaschinen. Neben der Familie Sehlmeyer mit Onkel, Tanten, Brüder und Schwestern, sowie der Familie Brockelmann, waren natürlich sehr viele Kinder vorhanden. Über Spielkameraden brauchten wir in den Wintermonaten wirklich nicht zu klagen. Der Kinderreichtum in jener Zeit war enorm. In den ersten 5-6 Häusern der Alten Marsch kam man zusammen locker auf 20-25 Kinder. Zur Schule – sie war nur 3 Minuten entfernt – bewegte sich morgens immer ein gewaltiger Tross Kinder aus der Alten Marsch. Mein Vater baute nach ein paar Jahren den Dachboden im Sehlmeyer-Haus aus und somit waren auch endlich Schlafzimmer vorhanden. Es tat damals keinen Abbruch sich mit zwei jüngeren Brüdern und einer älteren Schwester sich ein Zimmer zu teilen. Man war froh, überhaupt ein eigenes Bett zu haben. In den 50er Jahren war man halt noch nicht so anspruchsvoll. Für mich waren diese Jahre sehr lehrreich und prägten mich für mein späteres Leben. Ich bekam mit, wie zum Beispiel die Holzpferde vom Karussell repariert und angemalt wurden. Oder wie man Karussellteile ausbessert oder ersetzt. Natürlich alles in purer Handarbeit.  Jeder von den Schaustellern konnte und machte einfach alles selbst. Genau wie mein Vater. Kann ich nicht, gibt es nicht! Diese Eigenschaft habe ich übernommen.

 

 60er Jahre

1966 zogen wir  - ich war inzwischen 14 Jahre alt – von der Alten Marsch in die Stadt.

In den folgenden Jahren – bis Anfang der 80er Jahre  – hatte ich zu der Familie Sehlmeyer nur wenig Kontakt. Natürlich wechselte man auf dem Cuxhavener Fleckenmarkt – zweimal im Jahr - ein paar Worte, sah sich aber ansonsten kaum.

Erst als unsere Töchter Monja und Mandy das Alter zum Karussell fahren hatten, fand man wieder zu Karussell Sehlmeyer einen etwas engeren Bezug. Inzwischen hatte der älteste Sohn von Ernst-August  – Volker Sehlmeyer – die Fahrgeschäfte vom Vater übernommen. Mit Volker – zwar mehr im Alter meiner Brüder, hat aber ansonsten meine „Wellenlänge“ - habe ich seitdem sehr guten Kontakt. Ebenso zu seiner Lebenspartnerin Anne Martens, von allen Leuten nur Anne „Sehlmeyer“ genannt. Meine Töchter Monja und Mandy fanden damals eine Fahrt auf dem Karussell immer toll. Die wunderhübschen Holzpferde übten auch auf meine Kinder eine große Faszination aus, genau wie früher auf mich. Obendrein durften sie fast immer umsonst fahren, was nicht nur die Kinder als angenehm empfanden.

 

Cuxhavener Nachrichten

Inzwischen bin ich pensioniert und arbeite heute mehr als früher bei der Bundesbahn. Behaupten jedenfalls Personen, die mich anscheinend etwas besser kennen oder meinen, mich besser zu kennen. Da bot es sich in den letzten Jahren von selbst an, auch bei Anne und Volker Sehlmeyer von Zeit zu Zeit auszuhelfen. So arbeitete ich bereits in der Würstchenbude auf der Fischmeile - ich war der Pommes-Macker - beim Sommerabend am Meer oder bei sonstigen Veranstaltungen, nicht nur in den Kurgebieten. Ebenso arbeitete ich in Annes Imbisswagen in Duhnen und beim Realkauf. Auf dem Weihnachtsmarkt sah man mich 2-3 Jahre auch schon in der Punschbude und selbst als „einarmiger“ Karussellbremser wurde ich schon eingesetzt. Ebenso habe ich für Karussell Sehlmeyer in den letzten Jahren Werbeflyer, Werbespots oder Preisschilder für Punsch- und Würstchenbuden hergestellt.

 
 
 
 
 
 

Chefin Anne

Auch Pensionäre können arbeiten!

Fischmeile (Der Pommes-Macker)

Volker Sehlmeyer

Weihnachtsmarkt

In der Punschbude

Ganz egal wo sich Anne mit einer ihrer Würstchen- oder Punschbuden befindet,  sobald ich auf Anne treffe, wird mir sofort eine heiße Bratwurst angeboten. Beim Karussell ist es nicht anders. Unsere Enkelkinder dürfen zu jeder Zeit ihre Runden drehen. Natürlich kostenfrei. Mit Anne oder Volker wird dann ein „Klönschnack“ gehalten und die Enkelkinder drehen Runde auf Runde. Auch meine Eltern haben heute immer noch ein gutes Verhältnis zu Anne und Volker Sehlmeyer, Volkers Mutter Mausi und den Geschwistern, sowie der Familie Brockelmann und freuen sich riesig, wenn sie sehen, dass ihre Ur-Enkeltöchter jetzt die Fahrten auf dem Kinder-Karussell genießen. Wenn ich eine meiner drei Enkeltöchter mit strahlenden Augen auf dem Karussell sehe, muss ich immer daran denken, dass ich als kleiner Junge ebenfalls auf dem Pferd, dem Löwen oder dem Schwein gesessen habe.

Inzwischen sind es bei uns vier Generationen, die auf dem Karussell  Sehlmeyer ihre Runden gedreht haben. Die Faszination ist geblieben, genauso wie die Freude und der Gesichtsausdruck der glücklichen Kinder wenn sie Karussell fahren.

Wie eng wir alle miteinander verbunden sind zeigt die Tatsache, dass auch der 16–jährige Sohn meines türkischen Freundes Fevzi - Anil Büyükbalbak – seit ein paar Jahren für Anne und Volker  Sehlmeyer am Karussell arbeitet.

 

Noch ein paar Karussell-Bilder

 
 
 
 
 

Linea

Alf

Anne und Rita

Michelle

Linea

 
 
 
 

Linea & Michelle

Michelle

2 Lammis

Michelle

Anil